Spannendes 2022 vor einem wohl entscheidenden 2023 (Rückblick 2)

Aufbauen. Organisatorisch stärken. Konzeptionell gemeinsam vorankommen.

Im Rückblicken sind wir selbst erstaunt, auf wie vielen Ebenen wir aktiv waren. Wir erinnern uns an wahnsinnig viel Arbeit und Sitzungen – und zugleich tolle gemeinsame Erfahrungen, Begegnungen, hochproduktive Workshops. Fast halten wir es schon für selbstverständlich, wie viel tolle Leute sich mit uns für Neustart engagieren, seit Jahren - dabei ist es das ja überhaupt nicht! Und klar, neben ganz vielen Fortschritten wird auch die andere Seite deutlich: wo wir nicht so weit gekommen sind.

Im Vordergrund stand 2022 die ganz konkrete Arbeit rund um den Genossenschaftsaufbau und das Projekt Maribu:

  • Das tragende Fundament ist die breit abgestützte inhaltliche Arbeit in den Arbeitsgruppen und den Workshops zu sozialer Infrastruktur, zu zukunftsfähigem Bauen, aber auch zur eigenen Organisationsentwicklung. Die 2022er-News zeigen nur einen Bruchteil des gewaltigen inhaltlichen Spektrums – von Community-health-nurse oder Solidarischer-Landwirtschaft über Grau-vs.-Gelbwasser oder excel-Tabellen-mit-zig-Mio-€ bis hin zur twittern-trotz-Musk?-Kontroverse (zum twitter-account) oder Wohin-mit-den-Waschsalons (zu ein paar Themen ausführlicher weiter unten).

Themenfülle. Arbeitsfülle. Wir sind davon… schon auch mal erschlagen – aber viel öfter inspiriert und fasziniert… Und wir versuchen es mit unserer v.a. online verstärkten Öffentlichkeitsarbeit attraktiv und breit zu kommunizieren.

Ebenso inhaltlich gearbeitet haben wir in unseren weiteren hochverbindlichen Organen/Strukturen: dem Aktivenplenum, dem Vorstand, der Projektkoordination und dem Aufsichtsrat – zugleich wurden sie allesamt gründlich reformiert und umgestaltet im Jahr 2022.

  • Weiterer Aufbau der Genossenschaft (Geno) bei Prozessen, Strukturen und „Personal“:
    (1) die satzungsgemäßen Organe (Aufsichtsrat und Vorstand) wurden in der MV 2022 kompetent neu besetzt und arbeiten zuverlässig.
    (2) Die zu Jahresbeginn neu definierten Entscheidungsprozesse (Projektkoordination, erweitertes Aktiven-Plenum, mehrere von den AG´s vorbereitete Workshops) sowie die Entscheidungsregelungen funktionieren.
    (3) Die Moderation des Aktiven-Plenums wurde erweitert.
    (4) Die Verwaltung arbeitet mit geänderter und gestärkter personeller Besetzung. Mitgliederverwaltung, Buchhaltung und Kommunikationsflüsse mit den Aktiven und Mitgliedern funktionieren gut.
  • Um endlich als Genossenschaft eingetragen zu werden, waren Rechtsanwaltsbesuche ebenso nötig wie die mehrfache Aktualisierung unseres millionenschweren Finanzplans und die Aufbereitung und Einreichung vieler weiterer Unterlagen. So toll, dass gerade vor ein paar Tagen der positive Bescheid vom Prüfverband kam. Damit können wir nach der bald erwarteten Eintragung endlich richtig voranmachen bspw. bei Mitglieder- und Finanzeinwerbung.
  • Überhaupt Finanzplan: Er erstreckt sich über 20 Jahre. Er musste und muss von uns fortlaufend angepasst werden an die sich ständig ändernden Bedingungen (bei Zinsen, Baukosten, Förderkulisse).
    Da wir außer den Eintrittsgeldern praktisch noch keine Einkünfte haben, haben wir umso intensiver versucht, zusätzliche Drittmittel einzuwerben – beim finanzstarken „Lücken:nutzen“-Antrag leider ohne Erfolg, beim Stadtteilgesundheitszentrums-Antrag mit einem zunächst supererfreulichen sechsstelligen Zuschlag, den wir dann aber leider um noch besserer Vernetzung und Abstimmung willen ausgeschlagen haben.
    (Bild: Luftbild Maribu-Areal aus Antragsvideo Lücken:nutzen)
  • Wir haben uns intensiv mit Hardware-Fragen beschäftigt: wie könnten mögliche Bebauungen auf dem konkreten Maribu-Gelände aussehen? Zusammen mit dem von uns engagierten Kölner Architekturbüro BeL und mit Unterstützung der Internationalen Bauausstellung Stuttgart IBA27 (wir sind dort Netzwerk-Projekt) haben wir testweise Kubaturen und Hauskonzepte durchprobiert und Ideen ausgehend vom bisherigen städtischen Rahmenplan entwickelt. Außerdem haben wir uns einige Vorbild-Quartiere der Schweiz mit besonders dichter Bebauung und großen Kubaturen intensiv angeschaut (z.B. Zollhaus und Hunzikerareal in Zürich)
    (Bild: mächtige Einzelkubaturen im dichtbebautesten Experimentierquartier Zürichs; Foto: U.Otto).
    Ebenso intensiv haben wir uns mit Software-Fragen beschäftigt: Der Quartiersbeteiligungsprozess im Auftrag der Stadt wurde im ersten Jahresviertel beendet.
  • Viele unserer Arbeitsthemen bezogen und beziehen sich auf die Stadt und Stadtgesellschaft auf vielen Ebenen – sowohl zum Thema Städtebau-, Bau- und Gebäudekonzepte, als auch vor allem zum Thema soziale Infrastruktur (s.o.).
    Hier suchten wir u.a. nach Antworten, wie die Ergebnisse des im ersten Quartal 2022 abgeschlossenen Quartiersbeteiligungsprozesses und das bisher eher auf parzellenübergreifende Tiefgaragen angewendete Modell der "Ankernutzerin" sozial weitergedacht werden können: könnte nach diesem Modell auch hier koordinierte statt kleinteilige Verantwortungsübernahme funktionieren - nun aber bzgl. sozialer Infrastruktur statt Parkierung? Taugt es zu einer möglichst integrierten Verantwortungsübernahme bei Planung und Bewirtschaftung vielgestaltiger Gemeinschaftsnutzungen fürs Gesamtareal?
    Und gerade auch bei weiteren Sozial- und Gesundheits-Themen gab es immer wieder Abstimmungen unserer Gesundheits-AG mit der Stadtverwaltung – ob beim o.g. Antrag für ein Südstadt-Quartiersgesundheitszentrums oder bei unseren Mosaiksteinen fürs Gut-alt-werden-im-Quartier/ in der ganzen Südstadt.

Zum Jahresrückblick gehört unbedingt ein ganz vielfältiges Danke-Sagen:

  • Nach innen an die vielen Aktiven, die in unsere Arbeitsgruppen, in intensive Workshops, in den alten und neuen Vorstand (MV 2022), in die Projektkoordination und in den Aufsichtsrat so viel Zeit, Kreativität, Geduld und Verantwortungsbereitschaft eingebracht haben.
    Obwohl das Zukunftsquartier überhaupt noch in den Sternen und selbst bei Realisierung noch Jahre entfernt steht ... arbeiten regelmäßig 50-70 Leute verbindlich mit (sic!). Das allein ermutigt jeden Tag neu.
  • Danke an unsere zahlreicher gewordenen Genossenschafter*innen – aktuell sind es 167 – 35 mehr als vor einem Jahr. Sie sind es, die in der Mitgliederversammlung die zentralen Entscheidungen treffen (MV 2022). Und sie bilden das soziale aber eben auch finanzielle Fundament. Dabei soll die Werbung nach der endlich bevorstehenden eG-Eintragung ja erst richtig losgehen...
    (Bild: Frischgebackener Schweizer Aufsichtsrats-Hochschullehrer. A. Schubert mit Aktiven und Genoss*innen auf der MV 2022; Foto: U.Otto)
  • Danke nicht zuletzt auch an viele „externe“ Kooperations- und Sparringpartner*innen – ob in der Stadtgesellschaft, in der Partner-Szene der Gemeinwohlakteure in Tübingen, seitens der uns beratenden wagnis eG, der IBA27 und dem Architektur-Büro BeL, unter denjenigen, die bei den Partizipationsverfahren mitgemacht haben...
  • ... und vielen weiteren Mut- und Schlau-Macher*innen mehr!

Wir finden: Ein starkes Neustart-Jahr, was unsere Aktivitäten, Verankerung und Commitment angeht. In fundamental "ver-rücktem" Umfeld. Und ja: manches hat länger gedauert, als erhofft, manches war mühsamer. Einige von uns sind schon auch ziemlich erschöpft – die Fülle der Aufgaben, die vielen Ungewissheiten und auch immer wieder unser Partizipationsanspruch fordern schon ziemlich heraus. Und dass die Rahmenbedingungen sich so dramatisch und schnell im 2022 ändern, hätte vor einem Jahr kaum jemand geahnt.

Aber das wichtigste: Wir haben nicht nur intern die Grundlagen weiterentwickelt und stabil gearbeitet. Sondern auch extern ziemlich viel erreicht, uns deutlich für Gemeinwohl-Wohnen positioniert. Für unsere Idee eines neuen Tübinger Modells ordentlich Resonanz erfahren. Da sieht vieles richtig ermutigend aus fürs kommende Jahr 2023 – in dem wohl die Maribu-Vergabe-Entscheidung fallen wird. Und wahrscheinlich schon ganz bald wird eines besonders spannend: die politischen Entscheidungen zum Rahmenplan des Maribu-Quartiers sowie zu Bewerbungskriterien!

Auch 2023: Wir

Und wünschen Ihnen ein gutes 2023!

(Bild: Luftbild aus unserem Lücken:nutzen-Bewerbungs-Video)

Epilog:
... echt jetzt? ... um dieses lärmumtoste, lebensfeindliche, zuparkierte und zubetonierte Niemandsland zwischen Gaskessel, Stadtautobahn und Grüner Hölle bewerbt Ihr Euch? Hier wollt Ihr Menschen hochverdichtet stapeln?
... genau, wir haben jede Menge Vorstellungskraft, konkrete Ideen und tolle Mitgestalter*innen, mit denen wir das Areal wachküssen wollen...

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